City of Sounds

Wie klingt die Stadt?

Episode 17 I Oktober 2020

Worum geht es in dieser Folge?

 

Wie klingt die Stadt? In dieser Folge des Raumcasts betreten wir die Welt der Sound Art im öffentlichen Raum. Verändert sich unsere Wahrnehmung, wenn Künstler*innen in den öffentlichen Raum eingreifen? Wir haben uns mit unterschiedlichen Arbeiten von Soundkünstler*innen beschäftigt, sind selbst auf Sounderkundungen gegangen und haben uns so mit dem Klang der Stadt auseinandergesetzt.

Sound Art oder Klangkunst sind zwei Phänomene von Kunst, die sich mit Geräuschen, Musik und Kunstmusik beschäftigt. Dabei werden die Grenzen des gewohnten Klangerlebens verlassen und die Rezipient*innen erfahren Neues, sowohl klanglich als auch räumlich. Die Pioniere der Klangkunst waren Ende der 1960er und Anfang der 1970er-Jahre noch hauptsächlich in den USA zu finden. Etwa zehn Jahre später etablierte sich auch in Deutschland eine erste Generation von Klangkünstler*innen. 

Neben der künstlerischen Auseinandersetzung von Stadt und Sound hat sich ebenfalls ein neues Forschungsfeld entwickelt: Die Sound Studies. Ihre Entwicklung ist eng mit den Künsten selbst verbunden und hat sich aus der Beschäftigung der Kulturwissenschaften mit der Alltagskultur der Menschen entwickelt. Die Verbindung von alltäglichen Sounds und der künstlerischen Auseinandersetzung damit, stellen den Kern der Sound Studies dar.

 

Auch wenn die Sound Studies ein noch recht junges Forschungsfeld darstellen, so wurzelt die Auseinandersetzung mit den Klängen der Stadt und der Lärmforschung schon weitaus früher. Bereits die alten Römer haben sich anscheinend über den Lärm beschwert, aber vor allem mit der Industrialisierung und Urbanisierung um 1900 wurde die Stadt nicht nur größer und unübersichtlicher - sondern auch lauter. Von der Geschichte der Sound Art und wie die Dadaisten und Surrealisten anfingen, sich auch mit den Maschinen- und Alltagsgeräuschen zu beschäftigen, erzählt uns Dr. Sabine Sanio, Professorin für "Theorie und Geschichte auditiver Kultur" im Master Sound Studies / Sonic Arts an der Universität der Künste in Berlin.

In der Sound Art ist die Situation, in der das Werk erfahren wird, entscheidend. Die Installationen oder Performances existieren meist nur temporär - und finden im öffentlichen Raum statt. Dadurch  stehen sie im Dialog mit der Stadt, kommentieren öffentliche Situationen oder lenken unsere Wahrnehmung auf Aspekte, die sonst im Verborgenen geblieben wären. Mit den “hidden sounds” der Stadt hat sich auch die Klangkünstlerin und unsere Interviewpartnerin Prof. Christina Kubisch beschäftigt, die mit ihren “Electrical Walks” elektromagnetische Wellen hörbar macht. Wenn ihr euch darunter noch nichts vorstellen könnt, solltet ihr diese Folge unbedingt hören!

Uns hat die Beschäftigung mit Sound Art im öffentlichen Raum unglaublich inspiriert. Wir sind losgezogen und haben selbst Field Recordings gemacht und eine neue Facette der Stadt entdeckt. Im Podcast hört ihr einige unserer Erkundungen.

Idee und Konzept

Maren Berg (Sprecherin)

Elmar Conzen (Sprecher und Schnitt)

Kassandra Häffner (Konzept) 

Serafin Dinges (Produktion)

Sounds

Christina Kubisch

Interviewpartner*innen

Prof. Christina Kubisch gehört zur ersten Generation der Klangkünstler*innen in Deutschland. Sie ist ausgebildete Komponistin und Musikerin. Mit Performances und Videokonzerten in den Siebziger Jahre begann ihre Laufbahn und entwickelte sich weiter zu raumbezogenen Klanginstallationen, Lichträumen und Arbeiten im öffentlichen Raum. Ihre elektro-magnetischen Stadtspaziergänge, Electrical Walks, wurden bereits in über 77 Städten weltweit gezeigt. Christina Kubisch hat zahlreiche Preise gewonnen, Einzelausstellungen in Museen und Galerien weltweit gezeigt und diverse Tonträger veröffentlicht. Zudem ist und war sie vielfach Gastprofessoren an verschiedenen Kunsthochschulen und seit 1997 Mitglied der Akademie der Künste Berlin. 


Prof. Dr. Sabine Sanio leitet den Teilbereich "Theorie und Geschichte auditiver Kultur" im Master  Sound Studies / Sonic Arts an der Universität der Künste in Berlin. Sie ist promovierte Germanistin und Philosophin mit zahlreichen Veröffentlichungen, Radiosendungen und Vorträge zur neuen Musik, zum Verhältnis von Kunst und Medien sowie zur Ästhetik des 20. Jahrhunderts. Außerdem ist sie Herausgeberin von Georg Kleins “borderlines - Auf der Grenze”, in dem die oft nur temporär existierenden Arbeiten des Klangkünstlers erstmalig gesammelt und in einem kunsttheoretischen Rahmen diskutiert werden.

Quellen & mehr zum Thema

Miguel Molina Alarcón (2008): Arseny Avraamov – Symphony Of Sirens, in  Baku: Symphony Of Sirens. (Sound Experiments In The Russian Avant Garde), erschienen bei Rer Megacorp.

Sanne Krogh Groth & Kristine Samson (2017): Sound Art Situations. In Organised Sound 22(1): 101 -111. Doi:10.1017/S1355771816000388.

Laura Hayes (2017): From Site-Specific to Site-responsive: Sound art performances as participatory milieu. In Organised Sound 22(1): 83-92. Doi:10.1017/S1355771816000364.

Georg Klein – Toposonie Spree (2013) und Ortsklang Marl Mitte (2002). Verfügbar hier.

Georg Klein (2009): Site-Sounds: On strategies of sound art in public space. In Organised Sound 14(1): 101 – 108. Doi:10.1017/S1355771809000132.

Christina Kubisch: Übersicht Arbeiten. Verfügbar hier.

Christina Kubisch: Electrical Walks / Sound Archive. Verfügbar hier.

Maderthaner, W. & Musner, L. (1999): Die Anarchie der Vorstadt. Das andere Wien um 1900. Frankfurt/Main, Deutschland: Campus Verlag.

Pauline Oliveros: Deep Listining. Verfügbar hier.

Luigi Russolos - “Risveglio di una Città, per intonarumori (estratto)” von 1913 (“Das Erwachen einer Stadt, für Intonarumori”). Verfügbar hier.

Carsten Seiffarth (2009): Klangkunst in Deutschland, Blick auf eine junge Kunstform. Verfügbar hier.

Akio Suzuki (2013): Oto date. Verfügbar hier.

Katrin Wildner & Hilke Marit Berger (2018): Das Prinzip des öffentlichen Raums.Verfügbar hier.

Berliner Lärmkarten. Verfügabr hier.