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Crossed die Smart City die Zukunft des Graffitis?

Episode 12 I Juli 2020

Worum geht es in dieser Folge?

 

Was sind Graffitis? Wann und wo sind sie entstanden? Was ist eine Smart City und was zeichnet sie aus? Diese Podcastfolge nimmt euch mit auf ein Gedankenexperiment: 
Kann man diese beiden urbanen Phänomene Graffiti und Smart City miteinander vergleichen? Kann das eine mit dem anderen funktionieren? Und welche Schlüsse kann uns Kunst im öffentlichen Raum über die Stadt geben?

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In nahezu jeder Großstadt, so weit das Auge reicht, finden sich an den außergewöhnlichsten Orten Graffiti wieder. Jeder der sich im öffentlichen Raum bewegt sieht sie im Laufe des Alltages, jeder wird mit ihnen konfrontiert und jeder muss sich zwangsläufig mit ihnen auseinandersetzen. Dabei ist Graffiti eine Kunstform die vor allem in urbanen Gebieten im öffentlichen Raum existiert. Graffiti wollen von möglichst vielen Menschen gesehen werden, daher werden sie meist an oft frequentierten Plätzen oder entlang der öffentlichen Verkehrswege angebracht. Die Ursprünge des Graffiti finden sich dabei in den 60er und 70er Jahre als Teil der HipHop Bewegung in New York wieder. Ursprünglich war Graffiti immer schon eine Ausdrucksform und Sprachrohr sozialer Minderheiten. Aus ihren Anliegen, Wünschen und Problemen, verpackt in Graffiti, entstand einer der öffentlichsten Formen urbaner Kunst, die zugleich politische und auch sozialkritische Funktionen verkörperten. Außerdem wird niemand von Graffiti ausgeschlossen, sodass eine Inklusion der Gesellschaft stattfindet.

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Demgegenüber steht die Smart City. Sie ist ein Leitbild vieler Städte und versucht durch den technischen Fortschritt Effizienz und Nachhaltigkeit in der Stadt zu vereinen. Die Planstadt Songdo in der Nähe der südkoreanischen Hauptstadt gilt dabei als Pionier im Smart City-Diskurs. In dieser Stadt lebt ausschließlich die höhere Mittelschicht, alles wird videoüberwacht und datafiziert um Sicherheit sowie Effizienz zu generieren. Übersichtlichkeit und Ordnung stehen dabei an erster Stelle der Stadtgestaltung. Somit entsteht ein kontrollierter, exklusiver Raum für eine homogene Gesellschaft. Die Stadt ist nicht nur ein Beispiel einer Smart City, sondern repräsentiert zugleich auch ein Vorzeigemodell einer technologisierten urbanen Lebensform. Somit bildet das Stadtmodell Songdo eine Vorlage für weitere Smart Cities. Dies zeigt sich besonders an der Kunst im öffentlichen Raum. Hier ist die Kunst keine Projektion urbaner Subkulturen oder lokaler KünstlerInnen, sondern obliegt den Unternehmen, ist ortsungebunden und replizierbar. Somit besitzt die Stadt wenig Individualität und Raum für Überraschungen. 

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Die Themen Graffiti und Smart City können gefühlt gegensätzlicher kaum sein, trotzdem gibt es etwas was sie verbindet. Sie spiegeln beide die Wertvorstellungen und Wünsche unterschiedlicher Gesellschaftsstrukturen dar, geben Auskunft über das soziale Leben und das Verhältnis der Menschen zum öffentlichen Raum. 

Durch unsere Interviewpartner Sven Niemann und Dominik Bartmanski sowie aus einem Gespräch mit einem Berliner Sprayer erhielten wir wichtige Informationen für diesen Podcast.

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Idee und Konzept

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Emily Reck

Matthias Pazulla

Nina Buse

Ana Burgueno Hopf

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Interviewpartner*innen

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Sven Niemann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsprojektes INGRID an der Universität Paderborn. Das Anliegen dieses Projektes ist die Erstellung einer Graffiti Datenbank, um ein wissenschaftliches Arbeiten und forschen zum Thema Graffiti zu ermöglichen.
Derzeit stehen über 40.000 Aufnahmen von Graffitis für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung. Durch diese umfangreichen, gesicherten und qualitativ hochwertigen Forschungsdaten können Entwicklungen und Veränderungen des Phänomens Graffiti über längere Zeiträume beobachtet werden. Derzeit arbeitet das Forschungsprojekt INGRID auch an einem digitalen Stadtrundgang per Applikation. Für weiterführende Informationen können die Graffiti-Führungen von Sven Niemann in Paderborn von Interesse sein.
Auch die vom Projekt INGRID veröffentlichten Publikationen gaben uns viele wichtige und spannende Informationen, die wir an dieser Stelle mit euch teilen möchten. 

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Dominik Bartmanski ist Soziologe und arbeitet im Sonderforschungsbereich Refiguration von Räumen der TU Berlin im Teilprojekt Smart Cities Alltagshandlungen in Digitalisierten Lebensräumen. Während seines Projektes forschte er auch über die Smart City Songdo und konnte durch mehrere Besuche praxisnahe Erfahrungen sammeln, die er mit uns teilte. 

Quellen und mehr zum Thema

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Kusber, Maurice (2004): Graffiti als Ausdrucksform bei Kinder- und Jugendlichen. Ansatzpunkt für szenespezifische Jugendarbeit. Köln. Verfügbar hier

 

Sorensen, Clark W./ Arai, Andrea Gevurtz (2016): Spaces of possibility: In, Between and Beyond Korea and Japan. A Center for Korea Studies Publication, University of Washington Press: Seattle & London

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Interview
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