Meine Stadt, mein Viertel, mein Kiez

Wem gehört die Stadt?

Episode 32 I September 2021

Worum geht es in dieser Folge?

Was geschieht, wenn Wohnen zur Ware wird? Wenn aus dem Recht auf Wohnraum eine Frage des Geldes wird? In dieser Episode zoomen wir aus dem öffentlichen Raum hinein in den privaten Wohnraum und berichten wie sich soziale Ungleichheiten im städtischen Raum auswirken. Erfahre mehr über die rasanten Mietentwicklungen und lasse dich von einer aktiv gewordenen Nachbarschaft inspirieren.


Soziale Ungleichheiten werden immer ausgeprägter und besonders Menschen, die von Armut betroffen sind, sind stark von ihnen betroffen. Denn die Ressourcenausstattung oder Lebensbedingungen sind von reichen Menschen so beschaffen, dass sie regelmäßig bessere Lebens- und Verwirklichungschancen haben. Das zeigt sich auch auf dem Wohnungsmarkt.

In Deutschland zahlten 2018 bereits über eine Millionen Stadt-Haushalte mehr als die Hälfte ihres Einkommens für die Warmmiete und Nebenkosten. Oft liegt ihr Einkommen nach Abzug der Miete somit unter dem Regelsatz von Hartz IV. Kritisch ist es dann auch, überhaupt erst eine Wohnung zu finden, denn die meisten Vermieter*innen stellen die Bedingung, dass das Einkommen das Dreifache der Kaltmiete betragen muss. Bereits eine Miete, die 30% des monatlichen Gehalts verbraucht, kann zu Einschränkungen der Lebensqualität führen. Die Sozialforscher*innen nennen das: Mietbelastung. Knapp die Hälfte der unteren Einkommensschichten ist davon betroffen. Sie leben in kleineren Wohnungen mit schlechter Qualität oder müssen auf unsichere Mietverhältnisse wie zum Beispiel die Untermiete zurückgreifen.


Wir haben uns mit der Mieter*innen-Initiative Kotti & Co. getroffen, die sich aktiv gegen die hohen Mietpreise einsetzt. Die heterogene Nachbarschaft hat sich zusammengetan, um gegen die Verdrängung von Mieter*innen mit kleinem Einkommen und die hohen Mietpreise der Berliner Sozialwohnungen zu kämpfen. Dabei thematisieren sie nicht nur die Probleme der Mietenpolitik, sondern auch die Gründe, die dafür in der Gesellschaft verankert sind.

Diese Folge ist im Sommersemester 2021 entstanden. Für den Inhalt sind die Autorinnen verantwortlich.

 

Ideen und Konzept

Henriette Vahl
Samira Aghabeigi
Katharina Hausner


Interviewpartner

Georgios Thodos ist seit mehreren Jahren aktiv bei Kotti & Co. Als Anwohner am Kottbusser Tor ist er
von den Entwicklungen des sozialen Wohnungsbaus direkt betroffen und setzt sich in verschiedenen
Arbeitsgruppen von Kotti & Co. für bezahlbaren Wohnraum und Mitbestimmung ein.

Mehr zum Thema

Du bist neugierig geworden? Hier findest du weitere Informationen:

Infoblatt Kottbusser Tor: kotti-info.de
Website der Mietergemeinschaft: kottiundco.net
Arte Dokumentation: “Miete essen Seele auf"


oder schaut einfach mal beim Gecekondu vorbei!

Kotti & Co unterstützt auch die Initiative "Deutsche Wohnen & Co enteignen", die am 26.09.21 zum Volksentscheid aufruft.

Quellen

 

Holm, A., Hamann, U. & Kaltenborn, S. (2016). Die Legende vom sozialen Wohnungsbau, erschienen bei People Places.


Schubenz, M., Thodos, G. & Willim, J. (2020). Re-kommunalisierung plus Phase 2, herausgegeben von Kotti-Coop e.V..


Bundeszentrale für politische Bildung (o.J.). Deutsche Verhältnisse. Eine Sozialkunde: Soziale Ungleichheit - Eine Gesellschaft rückt auseinander, verfügbar hier. [aufgerufen am 31.7.2021]


o.A. (2018). Miete versträkt soziale Ungleichheit, verfügbar hier. [aufgerufen am 31.7.2021]