Cruising

Queere Raumaneingung durch Sex

Episode 14 I September 2020

Worum geht es in dieser Folge?

 

Cruising ist die Suche nach anonymen Sexualkontakten im öffentlichen Raum. Verbunden wird die Praktik vor allem mit schwulen Männern, die sich in Parks wie dem Berliner Tiergarten treffen. Doch wer cruist wirklich? Und was verraten uns die Sextreffen über den Raum? In dieser Folge des RaumCasts beschäftigen wir uns mit den historischen Entwicklungen und unterschiedlichen Konzeptionen von Cruising. Wir untersuchen welche Rolle Gender bei der Praktik spielt und fragen danach, wer sich Raum wie aneignet.

Seit vielen Jahren gibt es über Cruising popkulturelle Auseinandersetzungen, wie Romane, Filme oder auch Reiseführer. Doch welche Personengruppen treten in dieser Öffentlichkeit nicht auf? Und wie ist die Situation heute? Was hat sich verändert? Wir treffen auf unterschiedliche Akteur*innen, die ganz vielfältige Konzeptionen von Cruising haben. Dazu fragen wir uns, wie Konstruktionen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen die Praktik prägen und welchen Gefahren und möglichen Diskriminierungen Cruisende ausgesetzt sind.

Exemplarisch kann uns Robert Bauer einen persönlichen Einblick in die Situation im Berliner Tiergarten der 1990er geben. Er schildert uns einen typischen Annährungsversuch beim Cruisen. Die Geschlechterforscherin Beate Binder macht uns auf die Moralisierung des Raumes bei gleichzeitiger Exotisierung des Cruisings in populären Medien aufmerksam. Der Historiker Heiko Pollmeier spricht über die historische Entwicklung des Cruisens und die gesetzlichen Verbote zur Auslebung der Homosexualität. Tristan Rehbold informiert uns über die aktuelle Situation des männlichen Cruisings vor Ort informieren. Eine sexpositiv-feministische Perspektive auf lesbisches und queeres Cruising und dessen Besonderheiten und Unterschiede gegenüber der männlichen Praxis eröffnet uns die Kommunikationswissenschaftlerin Laura Méritt.

Cruising ist nicht gleich Cruising, so viel ist klar.

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Update: Die von Prof. Dr. Beate Binder angesprochenen Kategorien des Schwulen Museums „lesbische Liebe“ vs. „schwuler Sex“ wurden überarbeitet und sind nicht mehr aktuell.

Idee und Konzept

Hendrik Böckermann

Amelie Cassada

Jannis Hartmann

Interviewpartner*innen

Robert Bauer ist Zeitzeuge des Cruisings der 1990er Jahre.

Prof. Dr. Beate Binder ist Professorin für Europäische Ethnologie und Geschlechterforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Dr. Laura Méritt ist Kommunikationswissenschaftlerin, Autorin, Vertreterin des sexpositiven Feminismus, sowie Leiterin des ältesten feministischen Sexshop Europas, den sie unter dem Motto „Wissen macht sexy“ als politisches Unternehmen leitet. Außerdem ist sie Teil des Freudenfluss-Netzwerkes , das u.a. sexualpolitische Aktionen durchführt.

Dr. Heiko Pollmeier ist Historiker und freier Mitarbeiter im Schwulen Museum Berlin. Mit dem Künstler Marc Martin hat er die Wanderausstellung „Fenster zum Klo“ erarbeitet, in der es um Cruising auf öffentlichen Toiletten geht.

Tristan Rehbold ist Vor-Ort-Arbeiter in Cruising-Areas bei ManCheck. ManCheck ist ein Präventionsprojekt der Schwulenberatung e.V. und setzt sich zum Ziel, die sexuelle Gesundheit zu fördern.

Der Spinnboden e.V. war durch die informellen Gespräche mit Mitarbeitenden vor Ort, sowie Literaturhinweise stiller Interviewpartner.

Quellen und mehr zum Thema

Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (2014): „Gewalt gegen Frauen: eine

EU-weite Erhebung" Verfügbar hier.

 

Albert, Sasha (2011): Spontaneous Pleasures: Sex between women in public spaces.

Sexualities 14(6). 669-680.

 

Bullock, Denise (2004): Lesbian cruising: an examination of the concept and methods. In:

Journal of Homosexuality 47(2):1-31.

 

Friedel, Johann (1782): Briefe über die Galanterien von Berlin. Gotha. 131ff.

 

Klaus, Elisabeth/Drüeke, Ricarda (2008): "Öffentlichkeit Und Privatheit. Frauenöffentlichkeiten und feministische Öffentlichkeiten." In: Becker, Ruth/Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung Theorie, Methoden, Empirie 2., erweiterte und aktualisierte Auflage. Wiesbaden: VS Verlag Für Sozialwissenschaften. 237-244

 

Massey, Doreen (1993 [1992]): „Raum, Ort und Geschlecht. Feministische Kritik

geographischer Konzepte“, in: Elisabeth Bühler et al. (Hg.), Ortssuche. Zur Geographie

der Geschlechterdifferenz, Dortmund/Zürich: eFeF-Verlag. 109–122.

 

Nádas, Péter (1986): Buch der Erinnerung, Rowohlt Verlag.

 

Ovidius Naso (1972): Die Liebeskunst (BV000008953 Schriften und Quellen der alten Welt 25). Berlin.

Ripploh, Frank (1980): „Taxi zum Klo“, 92 Minuten, Deutschland

Schenk, Herrad (1991): Die lüsterne Frau. In: Die Befreiung des weiblichen Begehrens. Kiepenheuer & Witsch. 64-88

 

Schuster, Nina (2008): Queer Spaces. In: Becker, Ruth/Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch

Frauen- und Geschlechterforschung Theorie, Methoden, Empirie 2., erweiterte und  aktualisierte Auflage. Wiesbaden: VS Verlag Für Sozialwissenschaften. 633-659.

 
 

@2019 Raumcast 

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